Freitagmittag machen sich Jakob, Fabi und Linus voll bepackt im Auto – allerdings ohne Schlauchboot – auf den Weg an den Bodensee.

Das jährlich ausgetragene, prestigeträchtige internationale Bodenseeturnier in Stockach haben sie als Ziel vor Augen. Die Ansprüche sind dabei unterschiedlicher Natur: Während Fabi sich einen Satzgewinn als Ziel setzt, möchte Jakob bei der Party am Samstagabend möglichst gut abschneiden. Linus, der sich wochenlang akribisch auf das Turnier vorbereitet hat, liebäugelt mit der Zwischenrunde. Nach dem Einchecken auf dem Campingplatz Schachenhorn (empfehlenswert) und einer erfrischenden Abkühlung im Bodensee beschließen die drei selbsternannten Muskeltiere noch ein Abstecher in das kleine behagliche Dörfchen Ludwigshafen zu machen, um eine Kleinigkeit zu futtern.  Die Entscheidung fällt dort letztlich auf das Gasthaus zum Zinnkrug. Die panierten Schnitzel sind in Ordnung, das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Andere Adressen sind optisch und speisekartentechnisch ansprechender, weitere Erfahrungswerte werden jedoch erst im Folgejahr dazukommen.

Nach einer zu kurzen Nacht im Zelt auf dem Camping macht sich das Trio am Samstagmorgen auf den Weg zur Halle. Da das Bodenseeturnier ein Wertungsturnier ist, findet die Auslosung bereits vorab statt. Ausgetragen wird das Einzel in Dreier-Gruppen, wobei sich jeweils der Erstplatzierte für die Zwischenrunde qualifiziert. Sowohl Fabi, als auch Jakob und Linus sind darauf eingestellt, in der ersten Runde pausieren zu dürfen. Durch kurzfristig bedingte Absagen kann es allerdings zu Änderungen in den Gruppen kommen, was schließlich auch der Fall ist. Somit ist die Überraschung groß, als in der ersten Runde der Gruppenphase Fabi gegen Linus zum vereinsinternen Duell aufgerufen werden.

Fabi, der vergangene Saison unglücklich mit seiner Mannschaft knapp am Klassenerhalt in der Landesliga vorbeigeschrammt ist schlägt gegen Linus auf, der auch kommende Saison in der Verbandsliga antreten wird. Beide spielen ihr bekanntes Spiel, basierend auf Drops, sicheren Schlägen, immer darauf bedacht die Rückhand und den Smash zu vermeiden. Der erste Satz ist ausgeglichen und Fabi kann sich mit besseren Nerven 22:20 durchsetzen. Als Geheimwaffe entpuppt sich dabei Fabis Rückhand-Crossdrop, den er so leider viel zu selten zeigt. Schlussendlich kann sich Linus im zweiten und dritten Satz mit 21:14 und 21:15 durchsetzen. Wie Fabi später im Interview mit Ralf Sauerbier anmerkt, konnte er in diesem Spiel leider nicht seine gewohnte Leistung abrufen und manche Schläge, die er sonst kann misslingen ihm, was ihn schlussendlich den Sieg kostet. Ausgebildete Psychologen sehen hier möglicherweise Anzeichen für einen ansatzweisen Größenwahn ;-)

Durch die kurzfristigen Änderungen in der Gruppenphase befinden sich Fabi und Linus in einer Vierer-Gruppe, Jakob weiterhin in einer Dreier-Gruppe, der in der ersten Runde pausieren darf. Parallel zu dem vereinsinternen Aufeinandertreffen liefern sich der sympathische Andreas Bühler (TV Zizenhausen) und der Youngster Nicholas Schwartz vom BC Offenburg einen offenen Schlagabtausch, den Andi erst knapp im dritten Satz für sich entscheiden kann. In der zweiten Runde der Gruppenphase muss sich Fabi gegen den Zizenhausener beweisen. Bühler, der vergangene Saison in der Baden-Württembergliga das erste Herreneinzel bestritt und dabei lediglich zwei Spiele verlor, ist zumindest auf dem Papier der klare Favorit. Fabi erweist sich im ersten Satz jedoch als konkurrenzfähiger und nicht zu unterschätzenden Gegner. Auch hier überrascht Fabi einmal mehr mit seinem technisch nicht versierten aber effektiven Rückhandcrossdrop, der seinesgleichen erst noch finden muss. Die Fluggeschwindigkeit des Shuttles ist dabei langsamer als jede flügellahme Hummel, die Fallkurve des Federballs ab Überschreitung des Netztes allerdings steil senkrecht. In Kombination mit der chirurgischen Präzision, dass der Federball keine drei Zentimeter hinter dem Netz landet, ist es für Bühler unmöglich, diesen Schlag zu retournieren. Da muss selbst ein Bühler seine Grenzen erkennen und kann nur seinen Hut ziehen. Dennoch entscheidet Andreas Bühler den Satz mit 21:15 für sich. Den zweiten Satz kann Fabi leider nicht ganz so eng gestalten, liegt zur Pause 11:1 hinten und muss sich letzten Endes knapp mit 21:5 geschlagen geben. Auch hier hat für Fabi nicht viel zum Sieg gefehlt.

Währenddessen schlägt Linus gegen Nicholas Schwartz auf. Vom ersten Spiel des Offenburgers beeindruckt, zollt Linus Nicholas gehörigen Respekt. Der Offenburger schlug in der vergangenen Saison in der Landesliga, blieb dort allerdings ungeschlagen. Linus kann sich in zwei Sätzen mit jeweils 21:18 durchsetzen. Mit zwei Spielen aus zwei Siegen kommt es somit in der dritten Runde der Gruppenphase zum Endspiel für Qualifikation der Zwischenrunde zwischen ihm und Andreas Bühler.

Auch Jakob ist mittlerweile ins Turnier gestartet. Sein erstes Spiel bestreitet er gegen Tim Armbrüster vom BC Offenburg, der später bis ins Viertelfinale vordringt. Trotz Trainingsrückstand ist Jakob in der Lage, das Spiel offen zu gestalten. Altbekannt setzt Jakob mit seinen 1,97m auf seine Smashstärke und das Vermeiden von zu langen Ballwechseln. Es entwickelt sich ein super enges Match, mit den jeweiligen Endständen von 21:23, 22:20 und 19:21. Unglücklich aus Sicht von Jakob, da er den Sieg mit Sicherheit auf der Kelle hatte, es aber versäumte, sich selbst zum Sieger zu krönen.

In der letzten Runde der Gruppenphase spielt Fabi gegen Nicholas Schwartz, dem er sich in beiden Sätzen jeweils knapp mit 17:21 geschlagen geben muss. Jakob muss David Ebner von Zizenhausen die Stirn bieten. Auch hier schafft es Jakob, den dritten Satz zu erzwingen. Eine schnelle Folge vermeidbarer Fehler kurz nach dem Seitenwechsel im dritten Satz führen allerdings dazu, dass er sich auch hier geschlagen geben muss mit 21:10.

Für Linus geht es derweil um den Einzug in die Zwischenrunde gegen Andreas Bühler. Linus, der seine Spiele in der Regel durch Vorteile in Kondition gewinnt, muss hier erkennen, dass das Konzept ab einer gewissen Spielstärke an Grenzen stößt. Der erste Satz geht mit 21:12 an Andreas. Den Optimismus vor Augen, Bühler möglicherweise im ersten Satz konditionell an seine Grenzen gebracht zu haben, erhofft Linus sich vom zweiten Satz mehr. Der entwickelt sich allerdings von vornherein in die entgegengesetzt und somit steht es glatt 11:0(!) zur Pause und endet schlussendlich 21:7. In der Summe hat Fabi somit gegen Bühler einen Punkt mehr geholt als Linus. Fabi ist überglücklich :-)

Für die drei Ettlinger ist somit der erste Abschnitt des Turniers vorüber. Das Doppel wird bis einschließlich des Viertelfinales ab dem Nachmittag ausgetragen. Bei weiterem Interesse zu den Spielen darf sich zu den bekannten Trainingszeiten jederzeit gerne an Fabi, Jakob oder Linus gewendet werden. Ein Highlight der Doppeldisziplin in der Vorrunde ist das Spiel Bühler/Wernet (Zizenhausen) gegen den Franzosen Loic Mittelheisser (Volants des trois Frontières) und Philipp Grömminger (PTSV Konstanz). Die Zizenhausener sind Titelverteidiger, Mittelheisser dagegen schlägt in Frankreich in der ersten Liga auf. Grömminger, der „lediglich“ in der Baden-Liga spielt, kann im ersten Satz noch nicht ganz dem hohen Spielniveau folgen und der Satz geht 21:12 glatt an Bühler/Wernet. Der zweite Satz entwickelt sich zu einem offenen Schlagabtausch. Grömmi hat sich mittlerweile in das Spiel gebissen und steht den anderen in nichts nach. Tolle Ballwechsel mit höchstem spielerischem Einsatz, rasantes Tempo… für die Zuschauer ein absoluter Leckerbissen. Auch hier setzen sich die Zizenhausener mit 21:16 durch, die sich am Sonntag auch mit dem Titel wiederholt krönen dürfen.

Ihre eigentlichen Qualitäten zeigen die drei Ettlinger dann am Abend auf der Party. Während sich nach und nach die Halle leert, leeren die Jungs (insbesondere Jakob) Bier um Bier bis morgens um vier. Mit dem Titel des Partykönigs kann sich Jakob schlussendlich zwar nicht krönen, er gehört aber ab nächstem Jahr mit Sicherheit zum offiziellen Favoritenkreis.

Fazit: Die Ziele hat jeder für sich erreicht. Während Fabi der heiß ersehnte Satzgewinn gegen Linus glückt, ist auch Linus mit der Art und Weise seines Ausscheidens in der Vorrunde zufrieden. Jakob weiß, dass er partytechnisch auch mit der Elite auf Augenhöhe ist und somit ab kommendem Jahr nicht mehr als Underdog in Erscheinung treten wird.

Das Turnier selbst ist in jeder Hinsicht ausnahmslos zu empfehlen und wird im Folgejahr mit Sicherheit wieder von den Ettlingern besucht. Besonders erwähnenswert ist, dass die Samstagabendparty unter anderem in der Halle stattfindet, während in einer anderen Halle genächtigt werden kann. Die Halle selbst zum Spielen ist ebenfalls top. Keine Nachteile durch Sonneneinstrahlung, der Boden ist griffig. Die Konkurrenz erstreckt sich bis zur Regionalliga, zum Zuschauen gibt es somit auch attraktives Badminton. Die Stimmung ist entspannt, es ist ein geselliges miteinander.

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